Hallo, ich bin Christina und Backen ist meine große Leidenschaft. Seit Mai 2018 betreibe ich das „Lotti & August – Café“ im schönen Berliner Westend. Vorher habe ich rund 25 Jahre als Journalistin gearbeitet, unter anderem bei der Stiftung Warentest. Mit Ende 40 bekam ich Lust, mein Leben noch einmal komplett umzukrempeln und habe einen lang gehegten Traum verwirklicht: ein eigenes Café!

Wer sind Lotti und August?

Gäste fragen mich häufig, ob ich Lotti sei und August mein Mann. 🙂 Nein…Lotti und August waren meine Großeltern mütterlicherseits. Beide stammten aus dem Norden Deutschlands. Meine Oma war eine Hamburger „Deern“, Jahrgang 1917. Eigentlich hieß sie Lieselotte, aber alle nannten sie Lotti. Mein Opa August kam 1914 in Jever in Friesland zur Welt.

Porträtaufnahme von Christina, der Betreiberin von "Lotti & August - Café"

Sommerferien bei Oma und Opa

In meiner Erinnerung war das Zuhause meiner Großeltern in Norderstedt bei Hamburg immer ein Ort der Begegnung, ein Treffpunkt – so wie ein gutes Kiez-Café! Als ältestes Enkelkind, geboren 1970 in Berlin, verbrachte ich oft einen Teil der Sommerferien bei Oma und Opa. Mit meinen drei Cousinen vor Ort verging die schulfreie Zeit ohnehin viel schneller, als allein daheim in meinem Berliner Kinderzimmer. Wir fütterten Opas Hasen (die irgendwann auf dem Teller landeten!), schleckten den Topf aus, wenn Oma rote Grütze machte, spielten mit den Nachbarskindern im Garten Verstecken und streichelten Kater Linus, sobald der sich mal wieder blicken ließ.

„Klönschnack“ mit Ostfriesentee

Doch nicht nur wir Enkelkinder waren bei Lotti und August stets willkommen. Meine Großeltern freuten sich, egal wer an der Tür klingelte und auf einen „Klönschnack“ vorbei kam. Ohne Umschweife baten sie in „die gute Stube“ und tischten – je nach Tageszeit – Ostfriesentee mit „Kluntjes“ oder Bier mit Korn auf. Mit Besuchern „schnackten“ Lotti und August auch gern mal auf Plattdeutsch. 
Klar, dass meine Großmutter auch eine fantastische Köchin und Bäckerin war. Zu meinen kulinarischen Kindheitserinnerungen gehören Fliederbeersuppe mit Grießklößchen, Plunder mit Vanillepudding und das allerbeste…Butterkuchen frisch vom Blech!

Säen, ernten, (ein)kochen

Überhaupt hat gutes, selbst zubereitetes Essen in meiner Familie immer eine große Rolle gespielt. Ab Anfang der 1970er Jahre hatten meine Eltern einen Schrebergarten im Süden Berlins gepachtet, wo wir von April bis Oktober viele Wochenenden verbrachten. Schon als Vierjährige war ich mit Begeisterung beim Säen, Ernten und Verarbeiten dabei, habe Kartoffeln im Frühjahr ein- und im Spätsommer ausgebuddelt, Johannisbeeren gepflückt und meiner Mutter beim Sauerkirschen entkernen und Marmelade einkochen assistiert.

Gut essen, am besten gemeinsam

In bester Erinnerung habe ich die Grillfeste im Garten meiner Eltern: Lange Tafeln, an denen mit Familie und Freunden über Stunden gegessen und getrunken wurde. Meine Eltern und die Gäste bereiteten alles selbst zu – bis auf Fleisch und Würstchen natürlich. Kräuterbutter, Kartoffelsalat, Zaziki, scharfe Soßen… Sogar das Brot backte mein Vater selbst und setzte dafür Tage zuvor den Sauerteig an – das macht er übrigens bis heute! 🙂 Gemeinsam gut essen – diese Kindheitserfahrung hat mich geprägt und mit Sicherheit den Grundstein für meine spätere Liebe zum Kochen, Backen und Bewirten gelegt.

Kein Fleisch, keine Gelatine

Als Teenager begann mich das Thema Massentierhaltung sehr zu beschäftigen. Irgendwie kein Wunder bei den häufigen Grill-Events in meiner Familie, oder? Im Alter von 14 entschied ich, kein Fleisch mehr zu essen. Bis heute ernähre ich mich vegetarisch-vegan. Auf den Grill kommen für mich seither Auberginen, Zucchini, Paprika und Champignons! Mit Olivenöl, Gewürzen und Kräutern mariniert…lecker! Dass ich für die Kuchen und Torten im Café keine Gelatine verwende, versteht sich von selbst. Ich möchte nicht mit den Bestandteilen toter Tiere backen. Im Übrigen gibt es viele gute Alternativen.

Die Haeselerstraße – eine kleine Idylle

Auf der Suche nach einer Location für mein geplantes Café kam ich 2017 – an einem trüben Novembertag – zum ersten Mal in die Haeselerstraße in Berlin-Westend. Dort gab es seit 2012 ein kleines Café, das „My Cottage“, deren Betreiber Nachfolger suchten. Um es kurz zu machen – ich habe mich auf den ersten Blick verliebt: in die kopfsteingepflasterte Straße mit ihren hohen Bäumen, in die schönen Altbauten mit den für Berlin ungewöhnlichen Innenhöfen, in den hellen Café-Raum mit seiner breiten Fensterfront. Eine kleine Idylle, mit der ich partout nicht gerechnet hatte, als ich von der stark befahrenen Königin-Elisabeth-Straße in die Haeselerstraße abbog. Der perfekte Ort also, um Kaffee und hausgemachte Kuchen anzubieten und Gästen eine Auszeit vom hektischen Alltag zu bescheren!

Beobachter des Geschehens

Meine Großeltern sind Anfang der 2000er Jahre relativ kurz nacheinander gestorben. Nach ihrem Tod fiel mir ein Schwarz-Weiß-Foto wieder in die Hände, das mich schon als Kind fasziniert hatte: Lotti und August in jungen Jahren, mit Anfang oder Mitte 20 vielleicht. Heute ist dieses Doppelporträt mein Café-Logo, wunderschön gestaltet von der Berliner Künstlerin Lisa Hyan. Außerdem hängt ein vergrößerter Abzug über der Espresso-Siebträgermaschine im Café. 

Von dort oben schauen mir meine Großeltern nun Tag für Tag bei der Arbeit zu…während Seniorinnen bei Milchkaffee und Käsekuchen Scrabble spielen, Mütter und Väter – Latte Macchiato trinkend – ihre Babys in den Mittagsschlaf schaukeln, Studenten in einer Lernpause ein Stück Blueberry Cheesecake genießen und beste Freunde sich bei Cappuccino und Schokosahne-Torte über Gott und die Welt austauschen. 

Lotti und August hätte das gefallen – da bin ich mir sicher!

Schwarz-Weiß-Foto von Lotti und August aus den 1930er Jahren